Das Grau in mir & die bunte Liebe

Das Grau in mir & die bunte Liebe

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Genervt von meinem Vorhaben schlurfe ich alleine den grauen Waldweg entlang. Das einzig Warme hier, ist meine dicke rote Jacke. Füße, Hände und mein Herz sind seit einer Weile zugefroren.

‚Ich will das hier nicht. Das macht doch keinen Sinn. Das Wetter ist eisig und ich hätte so viel besseres zu tun‘, rumort es in mir. Ich schaue mich um und suche mit verzogener Miene nach anderen Passanten. ‚Ein Zuschauer wäre das Letzte, was ich jetzt brauchen kann.‘

Meine Gedanken sind klar und ziemlich deutlich in ihrer Aussage: ‚Lass es. Das hier hat keinen Sinn. Geh‘ Heim und schau fernsehen. Das wäre jetzt viel besser für mich‘.

Ein kleiner und weiser Teil in mir befielt mir aber, weiter zu gehen und eine einigermaßen versteckte Stelle im Wald zu finden.

Mein Herz ist seit ein paar Tagen verschlossen. Ich fühle die Liebe nicht. Weder zu meinen Liebsten, noch die Liebe zu mir selbst. Nicht nur die Liebe ist weg. Eigentlich fühle ich kaum etwas. Und genau das trübt meine Stimmung bis ins Unerträgliche. Ich weiß, dass ich es nach all meinen Erfahrungen in der Hand habe, es zu ändern, aber der Widerstand ist groß.

Ich gehe inzwischen abseits der Wege und suche nach einem geeigneten Platz, welcher sich einfach nicht zeigen will.

‚Hier könnten mich Spaziergänger aus der Ferne sehen. Und dort sind zu viele Steine auf dem Boden, um gut sitzen zu können. Und da kommt ja keinerlei Sonne hin. Wenn sie mal rauskommt, will ich sie wenigstens mitbekommen…‘ Ich erkenne das Muster meiner Gedanken nach ewigem Suchen und entscheide, mich einfach an den Fuß des Baumes vor mir zu setzen.

Noch einmal blicke ich mich um und versichere mich, allein zu sein. Nachdem ich die Augen geschlossen habe, jucke ich mich noch ein paar Mal an dieser und jener Stelle und irgendwann schaffe ich es, den Spalt der Türe zu meinem Fühlen langsam zu öffnen.

Zuerst ist es nur ein ungutes Gefühl in der Nähe meines Herzens. Es wandert subtil nach oben, klettert über meinen Hals direkt in meine Augen. Ich fühle mich elend und klein. Ein paar Tränen laufen über meine Wangen. Mein Atem wird schwerer und ich öffne mich weiter.

Das Gefühl wird stärker und verzieht mein Gesicht zu einer Grimasse. Ich will mich verstecken. Mit den Händen vor meinem Gesicht beginne ich zu schluchzen. Ich hasse es, genau das hier: Die Angst, die Enge, die Anspannung, dieses Jaulen und Schluchzen.

Trotz allem, lasse ich sie fließen.

Und in diesem Moment öffnet sich das Tor ganz weit. Ich spüre meine Angst in all ihrem Sein.

Sie ist im ganzen Körper. Sie schmerzt, sticht und zeigt sich in jeder Zelle. Die Verspannung und Anspannung, der Schreck, die Sorge, die Verletzung: Alles ist wieder da. Sie zeigt sich körperlich in all ihrer Macht.

Sie sitzt auch im Kopf. Sie ist hässlich, tragisch, ekelhaft, verletzend und abscheulich. Die Geschichten, Worte, Bilder, Erinnerungen & enttäuschten Hoffnungen: Alles ist wieder da. Sie zeigt sich geistig in all ihrer Macht.

Ich weine, verspanne, schluchze, würge und huste.

Ich fühle.

Und dann irgendwann, wird es ruhiger. Körper und Geist werden leiser. Ich atme. Ich schluchze und huste noch ein paar Mal. Ich fühle, dass ich über den Berg bin. Ich spüre den Frieden wieder einkehren.

Ich fühle diesen mir so vertrauten Fluss wieder strömen, die Energien wieder fließen. Das Herz pumpt beruhigend und meine Finger kribbeln warm.

Ich wische die Tränen von der Haut und lehne mich gegen den Baum hinter mir. Das Moos unter mir ist weich und kühlend. Ich sehe den Wald vor mir und ein paar Sonnenstrahlen, die es durch die Bäume schaffen.

Der Moment ist betörend schön, so friedlich und ruhig.

Und spüre ich die Verbundenheit: Mit diesem Ort, dem Universum und dem Baum hinter mir. Da ist dieses Ur-Vertrauen, dass alles was geschieht richtig und wichtig ist.

Erneut füllen sich meine Augen mit Tränen.

Sie ist zurück: Die wahre Liebe.

„Danke“, flüstere ich erleichtert und verbunden in den Wald hinein.

Ich bemerke, dass es eigentlich gar nicht kalt ist und die Sonne fast jeden der Bäume um mich erreicht.

Auch das Grau ist dem hellen Licht und dem bunten Wald entwichen.

Herzlichst, Maria

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